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Unternehmensleitsätze sind manchmal wie Bilder an Wänden: Keiner getraut sich, sie abzuhängen,...

Udo Keller

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Personalentwicklung - ein Vulkan mit Deckel drauf?

Wir stellen zur Diskussion:
Personalentwicklung - ein Vulkan mit Deckel drauf?

Jeder halbwegs gut informierte und im 21. Jahrhundert angekommene Mensch weiß, dass Weiterbildung nicht mehr nur Kür, sondern Pflicht bedeutet.

Wer denkt, dass nach Schule, Berufsausbildung oder Studium Schluss ist, der läutet bereits seinen persönlichen Stillstand ein. Gleiches gilt für Führungskräfte, die „Oben“ angekommen zu sein scheinen.

Manche gehen sogar so weit, dass sie im Übergangsstadium zur Entmaterialisierung geneigt sind, den erreichten Wissensstatus per allgemeingültigem Dekret mit nur drei Buchstaben zu deklarieren: Ich!

Es kommt erstaunlich oft vor, und das zeigen uns gerade unsere Erfahrungen der letzten zwei Jahre, dass das Thema "Personalentwicklung“ immer erst ab der 2. Managementebene top down eine Rolle zu spielen scheint.

Vielleicht deswegen, weil ganz oben die Luft so dünn ist, dass, angelehnt an Guy Kawasaki, es immer schwieriger wird, dort intelligentes Leben zu finden.
Und dann steht auch noch die globale Erwärmung ins Haus.
Die Folgen sind ja kaum auszudenken, wo die Luft jetzt schon so dünn ist!

Andersrum, wie ließe es sich logisch erklären, dass ein Unternehmer, Vorstand oder Geschäftsführer sich von den Mitarbeitern ein Weiterbildungsangebot unterbreiten lassen sollte, die er selbst eingestellt hat? Seit wann wedelt denn der Schwanz mit dem Hund…

Nein, um Personalentwicklung kümmert sich unsere Abteilung Personalentwicklung. Oder Human Resources oder Human Capital oder Training & Development - whatever.

Abgesehen von den Unternehmen, deren Mitarbeiter bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf betriebliche Weiterbildungsangebote warten werden, gibt es durchaus schon in sehr vielen Unternehmen PE-Abteilungen - oder zumindest jemanden, der damit beauftragt ist.
Also aus institutioneller Sicht heraus existiert Personalentwicklung.
Aber wie lebt sie?

In schlechten Zeiten ist kein Budget für Personalentwicklung vorhanden.
In guten Zeiten fehlt wegen hohem Auftragsvolumen die Zeit für Personalentwicklung.

Was machen jetzt die Personalentwickler in der doch so wichtigen Abteilung Personalentwicklung?
Fühlen sie sich vielleicht sogar wie das fünfte Rad am Wagen?
Wie ein Stiefkind des Unternehmens?
Wie die Kirche, die nur zu Weihnachten voll ist?
Wie ein Vulkan mit Deckel drauf?

Nein, viele rebellieren ("wir werden hier etwas verändern"), einige konzipieren ganze Schubladen voll ("kann ja sein, dass…, aber dann haben wir auch…"), manche resignieren still vor sich hin (Devise: nicht auffallen um jeden Preis!).

Andere warten, bis Wünsche und Bedarfsmeldungen aus den anderen Abteilungen an sie herangetragen werden. Ist ja auch einfacher, statt selbst agieren zu müssen.

  • Umsatzzahlen schlecht? Vertriebsschulung!
  • Zu viele Beschwerden? Telefontraining!
  • Probleme in Abteilung XY? Konfliktmanagement!
  • Neue Zielausrichtung? Motivationstraining!

Generelle Personalentwicklung? Nee, haben wir ja schon!
Stimmt, ganz vergessen - weil nicht präsent!

  • Warum werden erst PE-Maßnahmen initiiert, wenn alle Signale schon auf "Alarm“ stehen?!
  • Wo sehen Führungskräfte hier und in Zukunft, denn um die genau geht es, ihre Verantwortung?
  • Wie steht es um das Rückgrat der Personalentwickler, der Motoren, die doch stetig den Menschen im Mittelpunkt des Unternehmensengagements sehen wollen, ihn aber nicht mehr erreichen können, weil sie das Wollen verlernt haben?

Kräfte erkennt man immer nur an ihrer Wirkung. Führungskräfte auch.

Sie sollten ihre PE-Abteilungen als Innovationsschmieden begreifen, sie unterstützen und zu dem ermutigen und wachsen lassen, was ihrer Bestimmung entspricht: Entwicklung voranzutreiben.

Umsatz ist das Ergebnis von Umsetzung.
Und Erfolg heißt, dass vorher etwas erfolgt ist.
Geschieht dies nicht, so wird die Luft dünn - und zwar für das gesamte Unternehmen.

26.06.2007