Interview mit Udo Keller (Sommer 2008)
Herr
Keller, es gibt eine Vielzahl von Trainingsanbietern und Weiterbildungsinstituten
in Deutschland und Europa. Nun, als ich Mitte der 1990-er Jahre beschloss, Unternehmer zu werden, war mir eines klar: Ich habe etwas zu sagen und will Dinge verändern. Mit 12 wollte ich Kapitän werden, das habe ich eben dann auf diese Art und Weise realisiert. Was mir nicht klar war, ist die von Ihnen erwähnte Tatsache, dass es wirklich eine Menge von Anbietern im Bereich Personal- und Managemententwicklung gibt. Der enthusiastische Start ließ mir gar keine Zeit, mir darüber ernsthaft Gedanken zu machen. Heute sehe ich es als naiv, aber positiv an, da mich noch nie groß interessiert hat, wo die Masse hinläuft. Und genau dafür steht keller ! consulting. Wir lieben das Querdenken und das geradlinige Handeln - fernab von Massen-Trends. Davon profitieren unsere Klienten, unsere Partner und wir selbst auch. In einem Presseartikel werden Sie zitiert mit "Business ist Rock´n Roll". Wie meinen Sie das? Dahinter steht für mich keine Meinung, sondern eine Lebenseinstellung. Der Vergleich mit dem Rock ist mehr eine Metapher, also auch auf den Klassik-Bereich zutreffend. Genau wie in der Musik kennt das Geschäft ruhige und laute Töne, Akkorde und Sequenzen, die mal mehr zum Mitsingen einladen oder auch zum stillen Nachdenken. Beides ist möglich; beides macht das Geschäft erst richtig interessant. Die Summe der Töne ist nicht nur realisierte Rhythmen- oder Harmonielehre. Das Gesamtergebnis entscheidet. Und da ist noch viel Potenzial drin zwischen Mozart und Bach, zwischen Pink Floyd und Steve Vai, zwischen Regionalanbietern und Global Playern. Und wo ordnen Sie sich ein? Die Frage ist falsch. Dann stelle ich sie anders. Ist Ihr Fokus mehr auf den regionalen Bereich oder mehr auf Expansion ausgerichtet? Ich
denke, das eine schließt das andere nicht aus. Wir arbeiten sowohl
für kleine Unternehmen vor Ort, als auch für große Konzerne. Ist das nicht ein wenig idealistisch gedacht? Genau das ist es. Wir werden in den nächsten 10 Jahren klar erkennen, welche Unternehmen auf Benchmarking gesetzt und welche auf den Erfolgsfaktor "Mensch", mit all seinen Schwächen und Stärken, gesetzt haben. Benchmarking führt hin zu Gleichmacherei. Von echter Entwicklung aus neuer Potenzialerschließung heraus kann da keine Rede sein. Benchmarking, Best Practice und wie Sie die sogenannten Erfolgsformeln auch nennen wollen, laufen auf eines hinaus: Same Shit under Trade Mark. Der wahre Erfolsfaktor war, ist und bleibt der Mensch selbst. Und dem können Sie keinen Stempel aufdrücken, wenn es um Fortschritt geht. Wir geben hier und heute die Impulse dazu, dass Menschen sich wieder als Macher, Entwickler und Revolutionäre begreifen, auf die es ankommt. Unsere Arbeit ist zielgerichtet auf diese Menschen abgestimmt, die dies auch wollen. Das klingt sicher etwas verrückt - ist es auch. Worin liegt die Begründung dieser Annahme? Meiner Meinung nach, und mit dieser stehe ich nicht allein auf weiter Flur, werden viele Arbeiter, Angestellte, Manager und Unternehmer ab den nächsten zwei Jahren zum echten Return On Investment ansetzen. Und zwar in Bezug auf die eigene Person und das eigene Vermögen im Sinne von Auslotung der persönlichen Möglichkeiten und anschließendem Wissenstransfer als echte Human Resources, also zutiefst menschliche Möglichkeiten-Erschließung. Das ist nicht nur idealistisch gedacht, sondern realisierbar. Dazu brauchen wir sicher keine Machbarkeitsstudie. Die Zukunft hat längst begonnen. Herr Keller, lehnen Sie sich da nicht ein bisschen zu weit aus dem Fenster bei den doch stark differierenden Einkommensverhältnissen? Lassen Sie es mich ganz simpel mit den Worten von Götz Werner (dm Drogeriemarkt) formulieren: "Wenn Sie sich fragen, wer denn künftig die Drecksarbeit macht, kann ich Ihnen nur sagen: Sie selbst, wenn es Ihnen nicht gelingt, die Arbeit für andere attraktiv zu machen." Fakt ist doch, dass wir endlich wieder auf die Kreativität unserer Leute vertrauen und setzen müssen. Hier ist unser Handlungsansatz begründet. Sicher wackelt bei dem Gedanken mancher Vorstands- oder Hartz-IV-Sessel, aber es wäre ja auch fatal, wenn dem nicht so wäre. Die Chancen zum Mitdenken werden größer. Die Chancen zur Mitsprache beinhalten auch die Pflicht zur Verantwortungsübernahme. Letztendlich unterliegt Chancenwahrnehmung aber immer auch dem persönlichen Willen. Wer schwarz sehen will, sieht schwarz. Wer sich selbst dazu zwingt, über den Tellerrand hinauszublicken, der wird auch mehr Farben wahrnehmen - unabhängig seiner Einkommensverhältnisse oder seiner sozialen Herkunft. Unternehmen bestehen aus Menschen. Sehen Sie sich als Weltverbesserer? Das muss ich, zugegebenermaßen, bejahen. Denn wir bauen ja unsere Welt. Also hängt sie auch von uns ab. Bezogen auf unser geschäftliches Engagement geben wir nur Impulse. Um es abgewandelt mit Lindenberg zu formulieren: Ich stehe jeden Morgen auf, um müde Menschen zu wecken. Ich hoffe, das ist ein guter Anfang. Und was macht keller ! consulting nun anders oder besser als andere? Da
wir keine Wettbewerbsanalyse im klassischen Sinne durchführen, möchte
ich Ihnen diese Frage anders beantworten. Die Feedbacks unserer Geschäftspartner
lassen den Schluss zu, dass wir mit dem Querdenken genau den Nerv der
Kunden treffen und durch unser Engagement aus den angesprochenen Impulsen
Prozesse entstehen, die zu positiven und zukunftsfähigen Veränderungen
führen. Davon profitieren nicht nur die Unternehmen im Allgemeinen,
sondern die Menschen im Speziellen. |